Pro-Bono-Hinweise - Nein, danke!

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upd., 10.06.2022, HHW
Wer Internetpräsenzen betreibt, um über dieses Medium auf sich und seine Dienste etc. aufmerksam zu machen, dem sollte u. E. bewusst sein, dass man weltweit rund um die Uhr, also 24/7/365, auf die jeweiligen Seiten zugreifen kann. Somit dürften Websitebetreiber (Diensteanbieter) sich nicht wundern, wenn Internetnutzer und/oder Zeitungsleser und/oder Teilnehmer des öffentlichen Raums, auch solche, die nicht gerade "um die Ecke wohnen", irgendwie auf die Website der Betreiber gelangen. Für Websites (Domains) wird geworben z. B. auf Fahrzeugen, in Printprodukten (Zeitungen, Magazinen, Büchern etc.), auf Plakatwänden, im Fernsehen, und selbstverständlich im Internet selbst.
Dass die Besucher der Websites sich diese vielleicht auch kritisch ansehen und sich über Schwächen, wie falsche und/oder nicht vorhandene (Pflicht-)Daten, sprachliche und/oder orthografische Fehler, tote Links oder Informationen, die Fragen gleichsam provozieren u. a. m., wundern bzw. dazu Fragen stellen, sollte u. E. für Web-Diensteanbieter nicht ungewöhnlich sein.
Aber deutsche Website-Betreiber haben diesbezüglich anscheinend eine dünne Haut. Eidgenössische und österreichische Web-Diensteanbieter sind - so unsere Erfahrung - sogar ggü. einem Deutschen diesbzgl. wesentlich offener, konstruktiver bzw. selbstkritischer.

Wir haben in den vergangenen Jahren öfter mal den „kleinen Dienstweg“ (Telefon) gewählt, um den im Impressum für die Inhalte einer Website benannten Verantwortlichen freundlicherweise kurz Hinweise auf Website-Schwächen zu geben.

Wiewohl wir uns mit Namen vorstellen und der Grund des Anrufs bzw. unsere Frage sofort klar und deutlich mitgeteilt wird/wurde, woll(t)en die Angerufenen in 9 von 10 Fällen wissen, wer man sei, ob Privatperson oder Unternehmer (als ob dies etwas an der Art der Frage bzw. den zielgerichteten Hinweisen ändern würde), weshalb man auf die Website gekommen sei, was man beabsichtige etc. Wenn wir dann das zuvor Gesagte langsam wiederholen, geht der "Zirkus" von neuem los: Wer sind Sie? Was wollen Sie? Was beabsichtigen Sie? Interessant wird es, wenn die Kontaktierten wissen möchten, weshalb man sich deren Website anschaue. Wenn man dann zurückfragt, ob er/sie etwa auch von einem/einer Zeitungs-, Magazin-, Buch-Leser/in wissen möchte, weshalb er/sie darin lese, wird es in der Telefonleitung still (oder das Gespräch wird beendet).
Alles in allem habe ich den Eindruck, es gehört in Deutschland anscheinend nicht mehr zum guten Ton, genau zuzuhören.

Ganz „toll“ war/ist es immer dann, wenn die Angerufenen meinen, wir soll(e)n, das, auf das wir hinweisen woll(t)en, per Mail senden; wir sollen also noch mehr eigene Arbeitszeit aufwenden, um die Angerufenen kostenlos auf deren Website-Mängel hinzuweisen, für die sie selbst bzw. deren Web-Dienstleister verantwortlich sind.

Als besonders "nett" empfinden wird es, wenn uns die Gesprächspartner mitteilen, die eigene Website sei von Juristen bzgl. der rechtlichen Aspekte als einwandfrei bewertet bzw. freigegeben worden.
Ein herzhaftes Lachen ob - pardon - solchen Unsinns wäre u. E. eigentlich eine angemessene Reaktion.

Anscheinend sind für sehr viele Personen, wie z. B. Minister, Ministerpräsidenten, Hochschullehrer, Verbands-/Unternehmens-/Behördenjustiziare, Gerichtspräsidenten, Anwälte, Notare etc., seien sie im oder außer Dienst, die als Juristen und/oder Politiker u. a. mit Gesetzgebung, Rechtssprechung und/oder juristischer Ausbildung zu tun haben, die für Websites geltenden, u. E. einfachen deutschen Rechtsgrundlagen zu kompliziert. Denn wäre es anders, würden uns nicht fast täglich unschöne (passender wäre: dilettantische) rechtliche Mängel auf den Websites auffallen, für die viele der zuvor Genannten zuständig/verantwortlich sind.

Ein u. E. besonders "nettes" Erlebnis aus 11/2020 finden Sie unten als Anhang.

Weil solche telefonischen Reaktionen auf Dauer nervend sind und weil es in Deutschland wohl auch nicht mehr zum guten Stil zu gehören scheint
  1. sorgfältig in eigenen Belangen (Website-Daten) zu arbeiten bzw.
  2. die Leistung von Auftragnehmern (hier: Web-Dienstleister) selbst kritisch zu prüfen und
  3. zumindest 5 Buchstaben für wertvolle, zielführende und sogar kostenlose Hinweise zu „spendieren“ (nur in ca. 1 % aller Fälle gab es eine anerkennende Mailreaktion und nur zwei haben uns bisher mal postalisch angenehm überrascht), haben wir es überwiegend eingestellt, anderen Pro-Bono-Hinweise, z. B. hinsichtlich u. E. teilweise peinlichen Webseitenmängeln, zu geben.



Anhang: Ein "nettes" Erlebnis vom 20.11.2020:
Auf einer Seite eines jungen und kleinen Biotechnologie-Unternehmens findet man: "Backed by ..." und darunter sind mit jeweils aktivem Link unterlegte Logos eines englischen Startup-Investment-Unternehmens, einer Fraunhofer-Forschungseinrichtung in Baden-Württemberg und des BMWI ("gefördert durch").
Auf der Website eines anderen Organisationsberatungsunternehmens ('OBU') las ich zuvor, dieses habe das Startup bei der Firmengründung etc. begleitet (selbstverständlich gegen Honorar).
Ich wollte mich mit dem Startup in Verbindung setzen, hätte zuvor aber gerne erfahren, was "Backed by ..." bzgl. des Fraunhofer-Instituts bedeutet. Den Leiter (Head of ..) des Instituts erreichte ich nicht, jedoch die für Public Relation zuständige Person, die bzgl. der Bedeutung des "backed by" nicht weiterhelfen konnte, jedoch meinte, sie hoffe, ich würde sozial ggü. dem Startup agieren (ich hatte erwähnt, zuvor einen Prof. Dr. jur. {=> OBU-Aufsichtsratvorsitzender} pro bono beraten zu haben) .
Am Morgen des 20.11.20 rief der Fraunhofer-Institutsleiter an. Ich erwähnte, am Tag zuvor mit der Public Relation-Person telefoniert zu haben und legte m. E. deutlich dar, weshalb ich versucht hatte, den Anrufer zu erreichen. Der Herr schien aber nicht zu verstehen (oder etwa, nicht verstehen zu wollen?). Ich wiederholte das Anliegen und erwähnte den Namen des Startup-Gründers. Aber das half nichts. Stattdessen wollte der Anrufer wissen, wer ich sei etc.; also - siehe oben - die mir nur zu bekannte, anscheinend typisch deutsche Reaktion, was ich dem Anrufer auch so mitteilte. Als ich dann sagte, ich hätte doch meinen Namen genannt und im Übrigen würde es an der Frage nichts ändern, egal ob ich diese als Privatperson oder als Unternehmer oder als was auch immer stellen würden, gefiel das dem Anrufer anscheinend nicht, denn er beendete das Telefonat unvermittelt und grußlos.
Was könnte man aus diesem Verhalten schließen? Vielleicht, dass der Herr keine gute Kinderstube hatte oder wenn doch, dass - aus welchen Gründen auch immer - ihm Anstand und Stil abhanden gekommen sind oder soll man annehmen, der Herr meint, als Prof. Dr. und Fraunhofer-Institutsleiter sei ein solch arrogant-überhebliches Verhalten seiner beruflichen Position angemessen?

Wie dem auch sein, dass man infolge solch "netter" Erfahrungen "irgendwann" das eigene Handeln ändert, könnte für Sie, als Leser, vermutlich nachvollziehbar sein.